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Gedenkwand der Opfer von NS-Unrechtsmaßnahmen um weiteren Namen ergänzt

Gedenkwand der Opfer von NS-Unrechtsmaßnahmen um weiteren Namen ergänzt

© B&W Grafikservice

Prof. Dr. Paul Trommsdorff, Leiter der Hochschulbibliothek und Honorarprofessor der Technischen Hochschule Hannover, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen benachteiligt

Im Jahr 2011 hat der Senat der Leibniz Universität Hannover (LUH) eine Arbeitsgruppe "Verleihung und Entzug von Titeln während der NS-Zeit" (AG Titel) eingesetzt, die sich mit der Rolle ihrer Vorgängerinstitution in der Zeit des Nationalsozialismus (NS), der Technischen Hochschule (TH) Hannover, auseinandergesetzt hat. Insbesondere ging es um die Untersuchung nationalsozialistischer Unrechtsmaßnahmen wie der Entziehung von akademischen Titeln und Ehrungen sowie das Entfernen von unliebsamen Angehörigen von der Hochschule aus politischen oder rassistischen Gründen. Zum anderen wurden auch die in der Zeit von 1933 bis 1945 durch die TH verliehenen Ehrungen und erfolgten Berufungen daraufhin übergeprüft, ob sie wissenschaftlich gerechtfertigt waren und ob die geehrten Personen sich der Beteiligung an nationalsozialistischen Verbrechen schuldig gemacht haben. Die AG-Mitglieder sichteten dafür umfangreiche Literatur und Archivbestände; die Ergebnisse sind 2016 in Buchform erschienen. 2020 folgte noch eine weitere von der AG Titel begleitete Publikation zum Umgang der TH Hannover mit der eigenen NS-Vergangenheit und der NS-Verstrickung der nach 1945 bis etwa 1970 berufenen Professorinnen und Professoren. Außerdem entstand eine Gedenkwand im Lichthof des Hauptgebäudes, die an die Hochschulmitglieder und -angehörigen erinnert, die ab 1933 Opfer NS-bedingter Unrechtsmaßnahmen der TH Hannover geworden waren.

Jetzt wurde ein weiterer Name an der Gedenkwand angebracht: Prof. Dr. Paul Trommsdorff, seit 1922 Leiter der Bibliothek der TH Hannover und seit 1931 Honorarprofessor für Technische Bibliothekswissenschaften. Trommsdorff wurde nach den Nürnberger Rassegesetzen ab 1935 als "Halbjude" kategorisiert und erfuhr deshalb insbesondere nach seiner Pensionierung im gleichen Jahr bis zu seinem Tod 1940 Diskriminierungen und Benachteiligungen aus rassistischen Gründen. So wurde er beispielsweise mit der Begründung, er sei "Halbjude", nicht mehr zu Hochschulveranstaltungen eingeladen und aus dem Professorenverzeichnis gestrichen. Die Gewährung einer Beihilfe aus Anlass einer Erkrankung wurde ebenso abgelehnt wie Trommsdorffs Antrag, seinen Sohn an der Universität Köln von der Zahlung der Unterrichtsgelder zu befreien, wie es für die Kinder von Hochschuldozenten eigentlich üblich war. In Summe zeigt seine Personalakte eine eindeutige rassistische Beeinträchtigung Trommsdorffs nach den Kriterien der AG Titel, die deshalb die nun erfolgte Ergänzung der Gedenkwand empfohlen hat.

Weitere Informationen zur Aufarbeitung der NS-Zeit an der LUH